Einblick ins Forschungsstipendium #1

Forschungsjahr in Ann Arbor: Erste Eindrücke aus dem Mittleren Westen

Als ich an einem meiner ersten Tage in Ann Arbor über den weitläufigen Campus der University of Michigan lief, wehte mir ein kalter Wind entgegen. Die Temperaturen lagen bei etwa –10 °C, und der Weg zwischen den Gebäuden fühlte sich deutlich länger an als erwartet. Schnell wurde mir klar, dass der Winter im Mittleren Westen kein Nebenschauplatz ist, sondern zum Alltag gehört. Gleichzeitig hat genau diese winterliche Atmosphäre ihren eigenen Reiz und prägt den Charakter der Stadt. Ann Arbor liegt im Bundesstaat Michigan und ist mit rund 123’000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine klassische Universitätsstadt. Das Leben hier wird stark von der University of Michigan bestimmt. Rund um den Campus reihen sich kleine Cafés, Restaurants und Buchläden aneinander, während ein grosser Teil der Bevölkerung aus Studierenden, Forschenden und Universitätsmitarbeitenden besteht. Wissenschaft ist hier nicht nur Teil der Universität, sondern prägt das gesamte Stadtbild und den Rhythmus des täglichen Lebens.


Campus in Ann Arbor.

Auch der Universitätsalltag hat seine eigenen sichtbaren Rituale. In den klinischen Gebäuden begegnet man fast ausschliesslich Menschen in Scrubs. Gleichzeitig scheint es kaum jemanden zu geben, der nicht ein Kleidungsstück mit dem grossen „M“ der University of Michigan trägt. Das markante gelbe Logo ist überall präsent, auf Pullovern, Jacken oder Mützen. Ebenso typisch sind die grossen Kaffeebecher, die viele Studierende und Mitarbeitende ständig bei sich tragen und die offenbar fester Bestandteil des universitären Lebensrhythmus sind.

Doch warum habe ich mich entschieden, mein Forschungsjahr ausgerechnet hier zu verbringen? Die University of Michigan gehört seit vielen Jahren zu den weltweit führenden zahnmedizinischen Fakultäten und gilt nach internationalen Rankings als beste öffentliche School of Dentistry weltweit. Ann Arbor besitzt zudem eine besondere historische Bedeutung für die Parodontologie. Viele grundlegende Arbeiten, die unser Fach bis heute prägen, entstanden hier. Namen wie Sigurd Ramfjord sind eng mit der Entwicklung moderner parodontaler Forschung verbunden und machten Ann Arbor bereits im letzten Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum unseres Fachgebiets. Dank der grosszügigen Unterstützung der Schweizerischen Gesellschaft für Parodontologie (SSP) habe ich seit Dezember die Möglichkeit, ein einjähriges Forschungsstipendium am Department of Periodontics and Oral Medicine der University of Michigan, School of Dentistry zu absolvieren. Die Abteilung unter der Leitung von Prof. Purnima Kumar zählt international zu den führenden Zentren der parodontalen Forschung. Für diese wertvolle Förderung und die Möglichkeit, einen Teil meiner wissenschaftlichen Ausbildung in einem solchen Umfeld zu verbringen, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei der SSP bedanken.

Die ersten Monate in Ann Arbor waren geprägt von vielen neuen Eindrücken, sowohl wissenschaftlich als auch klinisch und persönlich. Neben der Mitarbeit in verschiedenen Forschungsprojekten arbeite ich aktuell an einem eigenen Projekt zum periimplantären Mikrobiom. Gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, am akademischen Programm der Residents teilzunehmen und die klinische Arbeit der Abteilung aus nächster Nähe zu erleben. In den kommenden Monaten werde ich weitere Einblicke in den Forschungsalltag im Labor, mein Projekt zum periimplantären Mikrobiom sowie in die besondere akademische Kultur der Parodontologie an der University of Michigan geben.